Blogtour Tag 5 "Die Legenden des singenden Waldes"

Hallo ihr Lieben, seid herzlich willkommen zum 5. Tag unser Blogtour. Heute lade ich euch ein mit mir den singenden Wald von Erui zu erkunden und den Legenden und Geschichten zu lauschen, von denen er zu erzählen vermag.

Wer noch einmal die letzen Beiträge lesen will, kann diese hier finden:
2. Tag
3. Tag 
4. Tag



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Als ich aufwache und langsam den Kopf hebe, wird mir sofort klar, dass ich nicht mehr in den gräsernen Steppen von Arvindûras bin. Die weiten Hügel sind verschwunden, mit all ihren Hirten und Schafen, und auch die Schatten haben wir hinter uns zurück gelassen. Der Klang der Flöten ist hier nicht zu hören, stattdessen erklingt ein sanftes Rauschen und Klingeln aus den Baumkronen über mir. Ich richte mich auf und suche nach dem roten Einhorn, das mich hierher gebracht hat, als die Schatten kamen, und es in der Steppe zu gefährlich wurde. Dort, hinter einem fernen Baum, kann ich gerade noch einen Blick auf seinen feurigen Schweif erhaschen, dann ist es verschwunden. Nur seine Stimme hallt in meinen Gedanken wieder: 

„Es ist gefährlich derzeit in Erui
Bleib hier im Wald. Ich werde dich holen kommen, 
wenn es sicherer ist.“


Und so lasse ich mich erneut in das weiche Moos zurück sinken, welches einen Teil des Waldbodens bedeckt, und sehe staunend hinauf in die Baumkronen. Die Blätter der Bäume sind zackig und von unterschiedlichster Größe. Von unten wirken sie fast, als würde sich ein silberner Blätterhimmel über mir ausbreiten, nur hie und da mit einem dunkelgrünen Fleck, wo sich ein Blatt verdreht hatte. Wo das Blätterdach lichter wird, kann ich den blauen Himmel erkennen, und die Sonnenstrahlen werfen ein gesprenkeltes Muster aus Licht auf den Boden. Als ich genug gesehen habe stehe ich auf und bewege mich langsam durch den Wald, von Baum zu Baum. Immer wieder berühre ich ihre knorrigen Stämme, genieße das Gefühl der mal rauen und mal glatten, nahezu samtigen Borke unter meiner Haut. Ein warmer Wind aus Süden weht mir um die Nase und lässt das Klingeln der Blätter immer lauter in meinen Ohren wiederhallen, bis ich schon glaube, eine Stimme darin zu hören. Ich denke daran, was ich über den singenden Wald gehört habe, diesen Ort voller Magie, geboren aus der Neugier der Menschen, dem Wunsch nach Wissen und der Hoffnung, niemals das Wesentliche zu vergessen. Und da beginne ich mich zu fragen, ob die Völker in Erui das Wesentliche vergessen haben? Wie können sie zulassen, dass Krieg unter ihnen herrscht, wo sich doch über ihnen ein Schatten erhebt, der selbst bis in den singenden Wald reicht?

Der Wind wird stärker, und mit ihm die Stimme des Waldes, die nun immer klarer in meinen Ohren klingt, und mir eine Geschichte zuflüstert.

Wenn von den Bergen im Westen weit
ein Wind weht über die Wiesen so rot
vom Blute, geflossen in tödlichem Streit,
in dem ein Bruder den andern bedroht.

Wenn fern sind der großen Könige goldene Tage,
und ferner selbst noch die ältesten Lieder,
wenn nah der Schatten und Hoffnung bloß vage,
oh Eruis Kinder, gedenket ihr wieder!“

Die Stimme des Waldes trägt mich mit sich und vor meinem inneren Auge sehe ich blutgetränkte Wiesen und einen Schatten, der sich über das Land erhebt. Ich sehe gebeugte Menschen, die voller Angst ihre Höfe und Dörfer verlassen, weil sie sich dort nicht mehr sicher fühlen, und ich fühle die Hoffnungslosigkeit, die sich langsam in mir ausbreitet. Da erhebt der Wald seine Stimme erneut, und ich kann spüren, wie das Samenkorn der Hoffnung in mir keimt und seine Wärme mich durchströmt:



„Die von beider Welten Geiste und Blut,
so schön wie die Sonne, so sanft wie der Morgen,
auf neuen Pfaden bringt auch neuen Mut,
vom Nebel der Zeit lang verborgen.

Tochter der Hoffnung, dein Licht soll uns leiten
durch dunkelste Stunde und ärgste Not,
bringst Friede den Welten, gar goldene Zeiten,
Dein Zauber allein bricht Schatten und Tod.

Drei Zeichen dir gaben die Himmel fern,
drei Zeichen die Welten zu weisen:
ein Rad, ein Kreuz, einen letzten Stern.
Prinzessin Aljana, so soll man dich heißen.“


Das Lied der Sternenprinzessin klingt noch lange in mir nach, und ohne weiter darüber nachzudenken, weiß ich, dass es noch mehr gibt, dass das Lied noch nicht zu Ende ist. Das Gefühl der Hoffnung ist noch immer in mir, doch der Wald ist verstummt, nicht länger bereit noch mehr von seinem Wissen und seinen Erinnerungen mit mir zu teilen. Ich schlendere weiter unter den Baumkronen entlang und lasse mich schließlich an einem kleinen Weiher nieder. Auf einem Felsen sitzend, mit den Füßen im kühlen Wasser und dem Gesicht in den Himmel gereckt, genieße ich die letzten Sonnenstrahlen des Tages und frage mich, welche Zukunft Erui erwartet.

So, ich hoffe mein Beitrag heat euch gefallen. Bei mir gibt es heute nur eine Station, aber morgen geht es schon bei Sabrina weiter. 
Über Kommentare und Feedback freue ich mich natürlich immer sehr :-D





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